Michael Lorenz

Michael Lorenz ist Berater, Managementtrainer und Speaker. Er leitet die grow.up. Managementberatung. Vorher war er Geschäftsführer bei Kienbaum und leitete das Geschäftsfeld Human Ressources.

In seinen lebendigen Büchern und Beiträgen zu Management-, Führungs- und Organisationsthemen vermittelt er anschaulich und unterhaltsam seine Erfahrungen und Einsichten aus Projekten, Trainings und Coachings. www.grow-up.de

Michael Lorenz

Generation Young

Wie sie denkt. Wie sie arbeitet.

BusinessVillage 2019
ISBN: 978-3-86980-456-9 (Druckausgabe)
ISBN: 978-3-86980-457-6 (E-Book, pdf)

Generation Young

Bereits oder schon Menschen ab Mitte 30 sehen in  jungen Leuten ein Rätsel. Scheinbar vollkommen anders sozialisiert, haben sie ihre ganz eigene Sichtweise auf Hierarchien, Regeln, Arbeit und Werte. Generation X, Y, Z – ungelöst.

Doch wer sind sie eigentlich? Wie tickt die junge Generation? Was erwarten sie von Arbeitgebern? Wie bringt man sie an die Arbeit?

Antworten darauf liefert Michael Lorenz‘ neues Buch. Es gibt einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt der jungen Generation. Anschaulich zeigt es, wie die junge Generation sozialisiert wurde und wie sie zu dem geworden ist, was sie heute ist.

Wir sind verloren! Wirklich?

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„Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.“[1]

Sich mit Jugend zu befassen, ist für viele schon ein Problem, wenn sie morgens in den Spiegel schauen. Insbesondere, wenn es sich um die Jugend als Generationsbegriff handelt, wird gern in der Art wie es im Titel beschrieben ist eingestimmt. Zu unterschiedlich scheinen die Welten, in denen wir uns bewegen wie wir denken, wie wir arbeiten und wie wir über Arbeit denken.

Den Ausspruch „Früher war alles besser“ kennen Sie. Vielleicht schon einmal selbst gesagt oder gedacht? Oder war es früher nur anders?

Das Gejammer über die Jugend gab es schon immer. Darin unterscheidet sich unsere Generation nicht von anderen.

Von wem stammt das Zitat unter dem Titel dieses Beitrages? Oder aus welcher Zeit stammte es? Wir wissen nicht, wer es mühselig mit Hammer und Meißel in Stein gehauen hat. Nur, dass es aus einem Keilschrifttext aus Ur um 2000 v. Chr. stammen soll. Ist deshalb unser Unmut über die Jugend wie in Stein gemeißelt?

Michael Lorenz hat ein Buch für Führungskräfte und Menschen, die sich beruflich mit der „jungen Generation“ befassen müssen oder dürfen, geschrieben. Er stellt fest, dass es zwar eine Generation Young geben mag, dass innerhalb der Generation die Unterschiede junger Menschen durchaus groß sein können.

Diese Generation ist nicht nur die Generation „Y“, sondern auch die Generation „Why“ (das englische „Y“ klingt wir das Wort für „Warum?“). Und grundsätzlich ist es nicht verwerflich in allem den Sinn hinter den Dingen und dem Tun zu ergründen zu versuchen, solange die Sinnsuche nicht zum Sinn selbst wird.

Sie dürfen immer die Hoffnung haben, Perlen der Generation zu finden, mit denen Sie durchaus etwas anfangen können. Es stellt sich nur die Frage, ob Sie das müssen oder wollen. Das knapp 200-seitige Buch bietet Hilfestellung bei der Formulierung der für Sie richtigen Antwort. Doch wer ist Michael Lorenz?

Michael Lorenz berät nationale und internationale Kunden seit mehr als 30 Jahren in Fragen der Strategie, der Personalentwicklung und der Management-Diagnostik. Er führt Trainings und Workshops für Manager und Führungskräfte zu den Feldern Management, Führung und Vertrieb und Personalentwicklungskonzepte durch.

Diese Generation, die unter den Jugendlichen die Faszination der unbeschränkten Möglichkeiten beschränkter Influenzer vermittelt, betrifft mich persönlich als Vater. Meine Tochter gehört dieser Generation an, der gebetsmühlenartig eingetrichtert worden ist, alles sei möglich, wenn man es nur will – und das auch als youtube-Star vom heimischen Sofa aus. Nicht bei uns, aber bei anderen.

Es gibt Speaker, die propagieren, man solle den Kindern die Mühsal der Arbeit vorenthalten.

Morgens soll der Vater Party schreien, wenn er zur Arbeit geht. Und abends soll er Party machen, weil der Arbeitstag so super war. Tatsache ist, dass er es nicht ist.

Der Arbeitstag oder zumindest nicht immer – nicht der Vater. Denn der kann durchaus super sein, ohne seinen Kindern einen vorzumachen. Haben wir in unserem eigenen Zuhause verpasst und ich kann nach der Lektüre von „Generation Young“ sagen: zum Glück.

„Zeigt Euren Kindern, dass ihr schwitzt“

erklärt Michael Lorenz. Denn es ist wissenschaftlich nachvollziehbar belegt, dass es für unsere Kinder besser ist zu wissen, was sie tatsächlich in der Arbeitswelt erwartet.

Michael Lorenz: „Dass jeder zum Beispiel studieren kann, ist der Erfolg einer liberalen Bildungsgesellschaft. Das ist gut. Aber Tatsache ist, dass ein Studium nicht für jeden etwas ist. Die Eltern leben das Erfolgsmodell der Vergangenheit, in dem ein Studium erstrebenswert war. Dies vermitteln sie ihren Kindern.“

Die Gesellschaft wundert sich dann, dass immer weniger handwerklich interessiert sind. 

Es ist heute durchaus eine Überlegung wert, dem Kind ein positives Bild vom Handwerk mitzugeben, denn hier warten förmlich ungenutzte Chancen, um wohlhabend zu werden. Denken Sie nur an den Handwerker, der die Preise (fast) frei bestimmen kann, wenn er mit Altgesellen die Arbeit gut und zuverlässig erledigt.

Ok, auch diese Tugenden warten darauf entdeckt zu werden, denn einigen Handwerkern ist es lieber an Leistung nachzulassen, weil die Not die Kunden schon bringt, statt standhaft zu bleiben und Fleiß, Qualität und Zuverlässigkeit gegenüber einer immer größer werdenden Billig-Konkurrenz zu verteidigen. Das ist aber hier nicht das Thema.

Denken Sie an die Wartezeiten, die Sie akzeptieren müssen, wenn Sie einen speziellen Handwerksbetrieb wollen, der eben hält was er verspricht, wenn er bei Ihnen montiert, das halten soll, was er Ihnen versprochen hat.

Warum enthalten Sie ihrem Kind die Huldigungen eines Kunden, der gerade mitten in einem Rohrbruch sitzt und dringend auf einen handwerklich geschickten Sprössling wartet, der ihn förmlich rettet? Werden hier vielleicht zukünftige Millionäre gemacht? Sind Sie Millionärsverhinderer, weil Sie Ihren Kindern die Werte von „Du kannst alles werden und erreichen“ laienhaft und oberflächlich vermitteln?

Finden Sie die Antwort darauf selbst heraus oder lassen Sie sich die Antwort von Ihren Kindern zeigen.

Kinder sind Produkte der Erziehung.

Nicht nur. Zeitgeist und Peergroup spielen bei der Prägung der Einstellung eine ebenso eine Rolle – wenn nicht sogar die wesentlich größere. Wir überschätzen den Einfluss der Erziehung und unterschätzen den Schaden, den wir als pädagogische Amateure anrichten.

Selten haben Eltern die Gelegenheit mehr als zwei- oder dreimal Erziehung zu proben. Und selbst dann sind die Kinder mit ihren Voraussetzungen derart unterschiedlich, dass ein Trainingseffekt erst bei 30 oder 40 Kindern eintreten würde.

Wir sind auf Fachleute angewiesen. Allen voran auf unser Bildungssystem.

„Das Bildungssystem muss überdacht werden.

Die Erzieher in dem System sollten die Amateure etwas heraushalten dürfen“ ist Michael Lorenz‘ Meinung dazu.

Aus Sicht der Unternehmen stellt sich nach Lorenz die Frage – und diese Frage stellen sich bereits immer mehr Unternehmen: Will ich mich überhaupt an einer Generation Young abarbeiten? Möchte ich motivieren, um festzustellen, dass die junge Mitarbeiterin oder der junge Mitarbeiter den Betrieb bereits nach drei Jahren wieder verlassen wird?

Betriebe bilden seltener aus, verkleinern sich oder arbeiten lieber mit erfahrenen Mitarbeitern, weil sie mit einer größeren Wertschöpfung rechnen. Ein wahrzunehmender Trend.

„Wir bewegen uns immer mehr auf japanische Denkweisen zu.“

nimmt Michael Lorenz wahr. Ältere Mitarbeiter scheinen ihre Arbeitsplätze gern länger besetzen zu wollen. Die Älteren fühlen sich jünger, gesünder und leistungsfähig mit ihren Erfahrungen und Fähigkeiten.

Die Jungen haben den Vorteil jung zu sein. Für die Betriebe vielleicht ein Aspekt, aber nicht der einzige. Es wird für junge Menschen, die tatsächlich mehr wollen und sich vom Durchschnitt der Generation Young unterscheiden, darauf ankommen, inwieweit sie dies im Personalgespräch überzeugend vermitteln.

„Was habe ich aufgrund (oder trotz) meines geringen Lebensalters anzubieten?

Das wird die Frage sein, die junge Menschen Betrieben beantworten müssen. Der Betrieb wird prüfen, ob sie oder er zum Unternehmen passt“ stellt Michael Lorenz fest.

Sollen sich Unternehmen aus der Not heraus verbiegen, damit sie junge Menschen für eine Arbeit begeistern, wenn sie wissen, dass diese Begeisterung 3 Jahre anhält?

Ich frage Michael Lorenz nach Tipps für Unternehmen. Er meint:

Überlegen Sie sich, ob sie das tatsächlich wollen und wirklich müssen.

Es gibt immer mehr als eine Option. Vielleicht gibt es in ihrer Branche die Chance auf erfahrene Mitarbeiter und auf Anpassung der Unternehmensgröße.

Monetarisieren Sie den neuen, jungen Mitarbeiter schnell. Es macht keinen Sinn 7 Jahre in jemanden zu investieren, der im Durchschnitt nach 3 Jahren den Betrieb verlassen wird. Schnelle Wertschöpfung lautet die Devise. Spielen Sie mit offenen Karten. Machen Sie klar, dass der angebotene Job der Job ist, den der junge Mensch angeboten bekommt, weil Sie davon ausgehen, dass er nicht ewig bleiben wird. „Ein offener Deal, ein offener Umgang sind wichtig.“

Wenn Sie ein spannendes Berufsfeld anzubieten haben, dann sorgen Sie dafür, dass das Aufgabenfeld spannend ist. Schaffen Sie ein Umfeld, das den jungen Menschen von seinem Medienkonsumverhalten ablenkt. Lenken Sie ihn ab von der Ablenkung.

Noch einmal: Sind wir also verloren?

Michael Lorenz meint, dass jede Generation ihre eigenen Probleme hat, für die sie Lösungen finden wird. Dazu gehört auch diese Generation. Sie hat ihre Stärken. In den nächsten Jahren werden zum Beispiel durch die Digitalisierung Arbeitsplätze anders ausgestaltet sein oder sogar wegfallen. Hier ist Kreativität und Andersdenken gefordert. Die Generation Young ist in Bezug auf Internationalität und Globalisierung anders unterwegs. Sie kennt keine Welt ohne Internet.

Wir sind nicht verloren. Stellen wir uns den Aufgaben gemeinsam und akzeptieren wir die Sicht des anderen.

Das Buch „Generation Young“ von Michael Lorenz ist fundiert recherchiert. Die vielen konkreten Beispiele von Begebenheiten im betrieblichen Kontext, in denen die Denk- und Arbeitsweise der Generation Young (und ihrer Erziehungsberechtigten) plakativ dargestellt werden, lesen sich leicht und sorgen für eine entspannte Atmosphäre auf Basis von Fakten zu dem Thema.

Das Buch ist zwar für Menschen geschrieben, die sich beruflich damit befassen wollen, aber meines Erachtens können Eltern und Lehrer ebenfalls davon profitieren.

Generation Young – wie sie denkt. Wie sie arbeitet. Und wie sie lernt.

[1] Zitat aus „Generation Young“ Seite 19 der Druckausgabe Kapitel 1.2