Kennt jemand einen Steuerberater?


Diese Frage ist durchaus ernst gemeint und basiert auf persönlicher Erfahrung – auch auf Erfahrung von Kollegen, Geschäftsfreunden. Als „Berater“ ist der Steuerberater irgendwie mein Kollege. Er unterscheidet sich aber grundlegend von Beraterkollegen, die zum Beispiel Organisations-, Unternehmens- und Marketingberatung anbieten. Ich spreche viel mit Kollegen – dafür ist das Netzwerk auch da – über ihre Dienstleister. „Welchen Rechtsanwalt hast du? Wer kümmert sich bei dir um Versicherung und Finanzen? Sind die gut?“ Beim Thema Steuerberater rollen Augen, ziehen sich Augenbrauen hoch und so mancher genervter Seufzer ertönt, bevor Anekdoten preisgegeben werden. Ohne diese im Einzelnen zu wiederholen: Zufriedenheit geht anders.

Wie in der Feuerzangenbowle frage ich mich: „Was is‘ denn ’ne Steuerberater? Da stellen wir uns einfach einmal ganz dumm. Ein Steuerberater ist ein schwarzer Kasten…“ Ja, und damit beginnt die Geschichte.

Berater. Da lugt das Wort „Rat“ verschmitzt vor. Nun ist der Rat nichts, das man neu erfinden müsste. Was ist also ein Rat? Konrad Dudens Nachfahren im Erklären sehen das so: Rat, der / Wortart: Substantiv, maskulin … Bedeutungen

  1. Empfehlung an jemanden (die man aufgrund eigener Erfahrungen, Kenntnisse oder ähnliches geben kann); Ratschlag
  2. (veraltend) Ausweg aus einer schwierigen Situation, Lösung[smöglichkeit] für ein schwieriges Problem

Warum also weiss der Duden vom Rat geben mehr als mancher Steuerberater? Meine Erfahrungen:

  1. Es wird gebucht, was kommt. Völlig gleich, ob ein Bewirtungsbeleg vollständig ist, ob eine Rechnung korrekt ist. In keinem Schritt der Buchung wird geprüft.
  2. Neuerungen auf dem Finanzmarkt werden ignoriert. Die Handhabung z.B. von elektronischen Rechnungen wird damit vereinfacht, dass auf Papierrechnungen verwiesen wird – von IT-Zeitalter, Informationszeitalter noch nichts gehört.
  3. Service-Wüste Steuerberatung? – Mitnichten. Die Wüste lebt. Der Service bei Steuerberatern: buchen, buchen, buchen. Rechnungen schreiben. Jahresabschluss. Jahresabschlussgespräch. Rechnungen schreiben.

Noch einmal: alles persönliche Erfahrung und die von Kollegen, Geschäftsfreunden und Bekannten (nicht, dass jemand sich noch angegriffen fühlt, weil er meint, er sei die rühmliche Ausnahme: dann herzlichen Glückwunsch, ich freue mich für ihre Kunden).