Gut abgeschnitten?


Pünktlich zum Jahreswechsel kommen die Jahresrückblicke. Jeder meint nicht nur zurückschauen zu müssen, sondern viele können es sich nicht verkneifen, ihre Gedanken für sich zu behalten. Dabei wird selbstverständlich peinlichst darauf geachtet niemandem weh zu tun, politisch korrekt zu bleiben und im Abgang noch einen guten Auftritt hinzulegen.

Vorab: dieser Beitrag ist nicht so ein Rückblick. Aber auch keine weichgespülte Abrechnung. Das Gejammere, das Jahr sei so schlecht gewesen und es wäre jetzt wunderbar, dass es vorbei sei, ist doch nur ein kopfkalendarisches Problem. Oder glaubt wirklich jemand, dass der 31.12. eine natürliche Datumsgrenze ist, nach der alles anders läuft als zuvor?

Genau deshalb klappt es ja mit den guten Vorsätzen auch so gut. Weil man eben nicht die innere Uhr wieder auf Null dreht und den ganzen verquierlten Quatsch mit ins nächste Jahr schleppt. Trotzdem wage ich ein Fazit aus diesem Jahr und Frage deshalb mich selbst: Hast Du in diesem Jahr gut abgeschnitten?

Das Jahr war gut. Die Dinge, die nicht so gut gelaufen sind, habe ich größtenteils mir selbst zu zuschreiben. Der Rest geht mit dem Jahreswechsel im Kellergeister unter und taucht im nächsten Jahr nicht mehr auf. Das gilt  für Menschen, die es sich nicht haben nehmen lassen mir im vergangenen Jahr zu zeigen, was für ein hilfsbereiter, offener Trottel ich bin und für Menschen, die mir einfach so richtig auf den Sack gehen, wenn ich nur ihren Namen höre oder an Sie denke.

Man sagt, dass es einem in den Ohren klingelt, wenn jemand ganz entfernt an einen denkt. Diese Leute müssten einen Dauertinitus wie das Glockengeläut aus dem Kölner Dom hören, wenn ich an sie denke. Wie gesagt: größtenteils selbst verschuldet und deshalb verschmerzbar. Und die schönen Dinge?

Die überwiegen natürlich, sonst wäre ich schon längst ausgewandert, hätte mir eine Hängematte in der Karibik aufgehängt und mich mit einem Strohhut und einem Grashalm im Mund vom Acker gemacht. Was war denn jetzt genau positiv?

Freunde gewonnen. Ja, echte Freunde. Nicht  so ein virtueller Kram. Und dabei auch ein wenig die Trennung zwischen Privat und Geschäft verloren – hurra! Was gibt es Besseres, als mit Freunden gemeinsam etwas aufbauen, Ideen und Visionen zu leben? Geteilte Freud ist eben doppelte Freud.

Kunden gewonnen. Das trifft es nicht ganz. Kunden gewinnt man nicht wie auf dem Rummel an der Losbude. Da muss man schon mehr leisten. Seit 2011 mache ich keine Kaltakquise. Die, die davon leben, warnen davor es nicht zu tun. Trotzdem wollte ich nie wieder Geld in einer Kaltakquiseaktion versenken und nie jemanden damit belästigen, dass ich ihm meine ach so tolle Leistung an die Backe quatsche.

Meine ganz persönliche Lösung: Empfehlungsmarketing. Und das betreibe ich bis das Blut vom Konto spritzt, weil am Ende des Geldes noch soviel  Monat übrig bleibt (zugegeben: schon lang nicht mehr so krass wie im ersten Jahr der Selbständigkeit).

Die Weichen gestellt für 2017 – und zwar ganz hart. Wir fangen direkt im Januar an mit dem UhU-Netzwerk. Auch dazu sagen die meisten: „Kostenlos? Das haben wir schon durch. Das funktioniert nicht.“ Die Frage ist doch: Was soll da nicht funktionieren? Fakt ist eines: es kostet immer etwas – manchmal Geld, manchmal Geld und Zeit und manchmal nur Zeit.

Bei UhU kostet es eben nur Zeit. Und da die besonders kostbar ist bei Unternehmern, sind wir das teuerste Netzwerk der Welt. Im Ernst: wer glaubt, dass wir ein sozialistisches Netzwerk aufmachen nach dem Modell einer Kommune, irrt gewaltig. Es geht um schnöden Kapitalismus, ums Geld verdienen, zusätzlichen Umsatz und mehr Geschäfte (nur, dass man bei UhU kein Golf spielen können muss).

Fazit: 2016 leider geil. Aussicht auf 2017: geiler. Ich wünschte jeder von den verquetschten Trauertrauben wäre nicht sauer über das vergangene Jahr. Mein Tipp: Lasst Euch nicht zu fest drücken. Und für alle bekennenden Fleischesser unter Euch:

Es ist doch wichtig, dass man insgesamt gut abgeschnitten hat und nicht das Würstchen ist, oder?