Der Kellner lächelt triumphierend: „Kännchen kostet doppelt“


Frieren in der Wüste

Heute setze ich mich in ein Cafe, weil ich auf meine Frau warten muss. Die Zeit möchte ich mit einem Kaffee überbrücken. Nachdem ich meine Jacke ausgezogen habe, weht mir der kalte Wind der Wüste ins Gesicht. Der Kellner hat mich entdeckt – keine Leistung bei nur drei anderen Gästen – und kommt auf mich zu. „Was darf es sein?“, fragt er. „Ich hätte gern einen Kaffee. Haben Sie auch große Tassen?“ (hier sagt man: einen Pott). Er antwortet: „Nein, nur Kännchen.“ Da zucke ich schon zusammen, weil das Wort Kännchen durch die Formulierung „Draußen nur Kännchen“ mir scheinbar suggeriert, dass man ein Kännchen mit Kaffee im Cafe nur draußen trinkt. Schnell verwerfe ich diesen Gedanken wieder und frage: „Was kostet denn ein Kännchen?“

Hühnersuppe auf Papier

Der Kellner setzt sein strahlendstes Lächeln auf und entgegnet mir: „Das Doppelte. Es sind nämlich zwei Tassen Kaffee in einem Kännchen.“ Er schaut mich an, ob ich nun auch ein Kännchen bestellen müsste. Ich denke bei mir: „Freundchen, wenn Du mir nicht meine Frage beantwortest, sollst du mich kennen lernen.“

kaennchen-doppelt-R1„Ich nehme eine Tasse Kaffee“, antworte ich folglich. Und ich meine zu sehen wie der Kellner im Umdrehen seine Augen verdreht. Macht nichts. Die Tasse kommt auf einem kleinen Silbertablett, natürlich kein echtes Silber, sondern eines dieser praktischen Produkte, die nur praktisch sind. Daneben eine Seriviette, die wir aus den Eisdielen kennen und die alles tun, nur nicht irgendein Geklecker aufsaugen. Darauf steht „Lust auf Eis?“ Nein, danke. Nicht im Winter bei 2°. Zur Krönung ein Keks (den habe ich übrigens später meiner Frau überlassen wollen, die dankend abgelehnt hat). Ich schlürfe also den Maschinenkaffee, den ich kurz zuvor mit ein wenig Milch aufgehellt habe. Hhmmm, lecker ist anders. Egal. Irgendwann kommt meine Frau und ich bitte die junge Dame hinter dem Tresen zahlen zu dürfen. Sie nickt, bewegt sich keinen Zentimeter. Und ich denke: wird schon. Irgendwann kommt dann eine andere junge Kellnerin und ich zücke mein Portmonaie. Ich schaue sie fragend an. Und wenigstens sie scheint mich in einem einzigen Augenblick zu verstehen. „1,70 EUR“, sagt sie. Endlich. Endlich weiß ich, was ein Kännchen kostet. 3,40 EUR. Ich gebe ihr 2,00 EUR und sage gönnerhaft: „Stimmt so.“ Was hat das alles mit Hühersuppe zu tun? Weiß nicht. Die Überschrift gefiel mir, weil ich in dem Café eigentlich ein paar Geschichten aus dem Buch „Hühnersuppe für die Seele“ lesen wollte. Aber das Leben ist einfach besser.

Haben Sie auch schon einmal solche Erfahrungen gemacht?